Personen an der EVAK, Teil 9


Jonathan, wie lange arbeitest Du an der EVAK und warum bist Du überhaupt zu diesem kleinen und damals noch sehr jungen Institut gekommen?

Ich kann mich gut daran erinnern, als du, Richard mich 2006 zum ersten Mal auf die eben gegründete Evangelikale Akademie in Wien angesprochen hast. Ich stand gerade am Ende meines Theologiestudiums in Basel und suchte nach dem Willen des Herrn für mein Leben. Du fragtest mich, ob ich nicht an der EVAK mitarbeiten könne. Ich wusste um den dringenden Bedarf an gründlicher biblischer und theologischer Ausbildung in Österreich. So nahm ich diese Herausforderung mit Freude an. Im Februar 2007 hielt ich meine erste Vorlesung zur Theologiegeschichte.

Was war beziehungsweise ist Deine Motivation an der EVAK zu arbeiten?

In Österreich steckt geistlich gesehen vieles noch in den Anfangsschuhen. Das Aufwachsen als Missionarskind in Österreich hinterließ tiefe Spuren in meinem Leben. Von meinem Vater, Walter Mauerhofer, lernte ich, dass es im Reich Christi viel Geduld und Durchhaltevermögen braucht. So war es auch an der EVAK. Zugleich ist die Zeit des Aufbaus eine positiv aufregende und schöne Zeit. Über elf Jahre hinweg hat sich die EVAK beständig weiterentwickelt. Diese Entwicklung mitzugestalten, mit begrenzten Mitteln und Kapazitäten immer wieder neue Wege finden zu müssen, begeisterte mich. Was mich weiterhin motiviert, ist der Dienst an den Gemeinden und der Gesellschaft.

Du hast ein enormes wissenschaftliches Potential. Du hast Theologie und Geschichte studiert und arbeitest nach deinem theologischen Doktor noch an einem in Geschichte. Warum ist dir wissenschaftliches Arbeiten so wichtig?

Ich denke und forsche gerne und möchte Gott mit meiner intellektuellen Arbeit Freude machen. Der Glaube an Gott und sein Wort macht intelligent. Die Welt gibt Bildung, aber im Glauben finden wir Weisheit, Trost und Hoffnung für diese Welt. Ich strebe nach Erkenntnis und Wahrheit. Das wissenschaftliche Arbeiten begeistert mich. Zugleich ist mir das Studium der Bibel und die persönliche Nachfolge Jesu der Ort, wo mein Herz zur Ruhe kommt.

Du arbeitest bewusst auch in Gemeinden als Gemeindeleiter. Warum ist dir die Gemeindearbeit so wichtig?

Lebendiger Glaube ist immer auch gelebter und damit gebender Glaube. Die Lehre über Gott drängt zur Praxis. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit habe, theologisch zu arbeiten und zugleich beständig in der Gemeinderealität zu stehen. Ich möchte keinen der beiden Bereiche missen. Wie meine beiden Onkel Erich und Armin Mauerhofer Professoren der Theologie und gesegnete Gemeindearbeiter sind, so gehören auch für mich die beiden Seiten zusammen.

Du bist federführend in der Entwicklung der christlichen Privatuniversität in Österreich. Wozu braucht Österreich eine christliche Universität?

Die christlichen Gemeinden in Österreich und darüber hinaus brauchen gut ausgebildete Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, um sich weiterentwickeln zu können. Durch das Gemeindewachstum werden die Anhebung des Ausbildungsniveaus und damit eine Professionalisierung immer dringender. Da die akademische Qualifikation viele Türen öffnet und auch in der Öffentlichkeit eine wichtige Gesprächsbasis schafft, kann eine christliche Universität, in der die ganze Bibel als Wort Gottes die Grundlage bildet, zum Segen für die Gemeinden und die Gesellschaft werden.

Vielen Dank für diesen Einblick!
Jonathan Mauerhofer ist Vizerektor der EVAK und Dozent für systematische und historische Theologie.