Personen an der EVAK, Teil 5


Armin, wie bist du eigentlich zur EVAK gekommen?

Anfang 2005 verlor ich meine Stelle beim Zielpunkt. Dort habe ich Regale geschlichtet. Es war nicht gerade der ultimative Traumjob; ich habe dort gearbeitet, weil ich irgend eine Tätigkeit brauchte, nachdem ich von der Schweiz nach Österreich ausgewandert war. Die Vorgesetzten kamen nach eineinhalb Jahren zu dem Schluss, dass ich für diese Tätigkeit ungeeignet war. Das konnte ich nicht abstreiten. Da ich in derselben Gemeinde wie Richard Moosheer war, wusste ich von der Gründung der EVAK. Durch Richard kam ich dann zur EVAK. Im Sommersemester 2005 hielt ich den ersten Kurs über die Apostelgeschichte.

Du unterrichtest an der EVAK, gibst Klavierunterricht, bist Fachinspektor für freikirchlichen Unterricht und unterrichtest auch selber Religion und hast eine 5-köpfige Familie. Vor kurzem hast du auch noch an der STH in Basel promoviert. Wie bekommst du all das unter einen Hut? Welche Tipps kannst du uns weitergeben?

Nun, man braucht einen recht großen Hut, dann geht es. Bis vor kurzem hatte ich nur zwei Standbeine: Die EVAK und den Klavierunterricht. Mitte 2013 begann ich dann, in der Arbeitsgruppe für freikirchlichen Religionsunterricht mitzuarbeiten, was mit der Zeit eine immer größere Dynamik entwickelte. Den Klavierunterricht habe ich weitgehend aufgehört (vier Schüler unterrichte ich noch), dafür habe ich jetzt recht viel im Schulamt der Freikirchen zu tun. Am Gymnasium in Purkersdorf unterrichte ich eine Stunde Religion pro Woche. Als Fachinspektor bin ich für den Religionsunterricht in mehreren Bundesländern verantwortlich, was vor allem im September viel Arbeit bedeutet. Zusätzlich habe ich einen Lehrauftrag an der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule Wien/Krems (KPH), wo die freikirchlichen Religionslehrer ausgebildet werden. Als Schulamtsleiter bin ich dafür zuständig, dass die beiden Abteilungen Religionsunterricht und Privatschulen miteinander kommunizieren und beim Rat der Freikirchen vertreten sind. Insgesamt sind das also recht viele Titel mit unterschiedlichem Arbeitsaufwand. Für die Dissertation brauchte ich unter diesen Umständen sehr lange Zeit, aber mittlerweile ist das ja zu einem guten Ende gekommen.
Tipps kann ich nur wenige geben. Jeder muss seinen eigenen Arbeitsrhythmus finden. Mir kommt es zugute, dass ich kein Perfektionist bin und Dinge auch halbfertig stehen lassen kann. In einer Aufbauarbeit, die in der Regel recht chaotisch ist, ist das hilfreich. Ein wichtiger Tipp ist das Halten des Sonntags, aber für bibelfeste EVAK-Leute ist das wohl eine Selbstverständlichkeit. Im Verlauf des Jahres gibt es sehr stressige aber auch ruhigere Zeiten, vor allem im Sommer. Da nehme ich dann oft einen spannenden Roman und gehe mit den Kindern ins Bad. Auch theologische Literatur kann ich dann in Ruhe lesen.

Und was machst du sonst so?

Kochen. Da Sonja als Lehrerin arbeitet (irgendjemand muss ja meine Capriolen im Reich Gottes finanzieren), habe ich dafür zu sorgen, dass am Mittag etwas auf dem Tisch steht. Gesund soll es sein, also Gemüse und Salat und solches Zeug.

Was sind deine Lieblings…?

Sport: Radfahren. Das ist die einzige Sportart, die ich überhaupt betreibe. Neben der notwendigen Bewegung genieße ich es, dabei innerlich zur Ruhe zu kommen.

Wenn du im Wiener Konzerthaus ein Musikstück präsentieren könntest, welches würdest du wählen und warum?

Fantasie und Sonate in c-moll von Mozart. Dieses Stück würde ich in einem privateren Rahmen (ins Konzerthaus komme ich als Pianist sowieso nicht) in einer ganz guten Qualität hinkriegen. Es ist relativ düster, was für Mozart eher außergewöhnlich ist, und man braucht etwas Zeit: Insgesamt dauert es eine halbe Stunde. Eigentlich sind es zwei verschiedene Stücke, aber ich bin überzeugt, dass sie zusammengehören. Beethoven hat in seiner Sonate in c-moll (Pathétique)einige Motive daraus genommen. Das Werk ist ähnlich aufgebaut wie dasjenige von Mozart, was mich vermuten lässt, dass er es zum Vorbild genommen hat. Schubert hat übrigens auch eine Sonate in c-moll geschrieben, die wiederum ähnlich aufgebaut ist wie diejenige von Beethoven. Es wäre eine interessante Forschungsarbeit, alle diese Werke miteinander zu vergleichen – aber jetzt habe ich mich wohl den falschen Fachbereich verirrt.

Danke für das Interview!
Armin Wunderli ist Dozent an der EVAK.