Informationen zur Bildungskarenz

Bildungskarenz: Eine Studienchance an der EVAK für Berufstätige und Ältestenanwärter

Mein Name ist Alexander und ich bin derzeit als Gaststudent an der EVAK immatrikuliert. Vor ein paar Wochen hat mich Richard Moosheer angerufen und gefragt, ob ich bereit wäre einen Artikel darüber zu schreiben, wie es dazu kam, dass ich Student der EVAK wurde und wie sich dies mit meinem Beruf vereinbaren lässt. Und wie ihr nun sehen könnt, war meine Antwort auf diese Frage  „Ja“.

Mein schulischer und beruflicher Werdegang im Kurzen ist Folgender: Studiert habe ich Wirtschaftsinformatik an einer FH in Wien und habe mich unmittelbar nach dem Studium bei einer internationalen Unternehmensberatung mit dem Schwerpunkt IT beworben, bei der ich seit ca. 9 Jahren beschäftigt bin. Der Job erfordert von einem Selbst ein hohes Maß an Flexibilität und kurzfristiger Überstundenbereitschaft – beides Komponenten, wo es schwierig ist neben der Tätigkeit innerhalb der Gemeinde noch etwas Zusätzliches in Angriff zu nehmen.

Das Jahr 2014 war für meine Frau und mich generell ein Jahr der Veränderungen – unser erstes Kind Daniel kam im August zur Welt und krempelte vor allem meine Prioritätenliste um. Plötzlich stand der Job viel weiter unten auf der persönlichen Agenda. Zusätzlich wurde ich von unserem Pastor im Frühjahr des Jahres gefragt, ob ich mir vorstellen kann, Ältester in unserer Gemeinde (ich bin jetzt 34 Jahre alt) zu werden. Ich kann mich noch gut an diesen Freitag (es war der Karfreitag) erinnern, als wir zu Dritt bei einem Kaffee frühmorgens saßen und ich diese Frage gestellt bekam. Ich glaube ich muss ziemlich verdutzt ausgesehen haben. Erstens weil ich kein Morgenmensch bin und 8 Uhr für mich etwa wie mitten in der Nacht ist und ich absolut nicht mit dieser Frage gerechnet habe.

Schließlich habe ich aber nach Gebet und Überlegungen zugesagt und bin nun in der Ältestenanwartschaft, die – so Gott will – dann im Herbst von der Gemeinde bestätigt werden soll. Beim Nachdenken über die Rolle des Ältesten und das Reflektieren über die damit verbundene Verantwortung, erwuchs in mir dann die Erkenntnis, dass eine Verfestigung meiner Glaubensgrundlagen bzw. Fortbildung in Glaubensfragen sinnvoll erscheint.

Anfang dieses Jahres entschloss ich mich dann also, unter anderem auf Grund dieser Erkenntnis, aber auch um mehr Zeit für meine Familie zu haben und vom Beruf etwas Abstand zu bekommen, um eventuell eine Neuorientierung zu ermöglichen, eine Bildungskarenz in Anspruch zu nehmen. Es war ein bisschen ein Sprung ins kalte Wasser, nachdem ich zunächst die Bewilligung von meinem Arbeitgeber benötigte und diese dann mit der Inskriptionsbestätigung der EVAK beim AMS einreichen musste und nicht wusste, ob eine Bildungskarenz an der EVAK dann vom AMS überhaupt genehmigt werden würde. Schlussendlich hat dann alles ohne Zwischenfälle geklappt.

Die Bildungskarenz an sich ist eine tolle Möglichkeit, auch während eines Anstellungsverhältnisses eine Fortbildung zu machen. Erforderlich ist zunächst einmal die Bewilligung des Arbeitgebers (hier gibt es ein spezielles Formular für das AMS das der Dienstgeber ausfüllt). Die Zeit der Bildungskarenz entspricht einem unbezahlten Urlaub, d.h. man bekommt kein Gehalt vom Arbeitgeber und auch Urlaubsansprüche etc. während dieser Zeit ruhen. In meinem Fall war die Bewilligung eher unkompliziert, da gerade die Unternehmensberatung sehr projektorientiert arbeitet und es da – im Vergleich zu einem „Linienjob“ – nicht so schlimm ist, wenn man eine Zeit lang vom Unternehmen fern ist. Gerade bei einem „Linienjob“ sollte man aber bedenken, dass ja dieser Posten während der Bildungskarenz anderwärtig besetzt werden muss. Da sollte man mit dem Arbeitgeber also auch unmittelbar über die Zeit nach der Bildungskarenz sprechen. Vom AMS erhält man das sogenannten Weiterbildungsgeld, welches bei maximal 1.450,- € netto pro Monat liegt und abhängig vom bisherigen Verdienst ist (es entspricht dem Arbeitslosengeld). Finanziell muss man sich also im Vorfeld bewusst sein, dass man den Gürtel unter Umständen in dieser Zeit etwas enger schnallen muss. Verfügt man über ein eAMS Konto so kann man den Antrag direkt online abschicken, ansonsten einfach mal zur zuständigen AMS Stelle pilgern. Die Zeitdauer ist mit maximal einem Jahr limitiert. Sollte man nicht gänzlich vom Job aussteigen können, so gibt es auch eine Teilzeitvariante (weitere Infos findet ihr über die Links am Ende).

Heute blicke ich nun auf ein Semester EVAK Studium zurück und kann sagen – ich bereue es nicht! Viel Neues gelernt, viele tolle neue Leute kennengelernt und vor allem wieder ein Stück mehr vom HERRN gelernt und verstanden. Ich möchte echt jedem diese Chance ans Herz legen. Nützt die Möglichkeiten, die uns der Staat Österreich bietet – egal in welchem Bereich der Gemeinde du dem HERRN dienst.

Zum Abschluss möchte ich Euch noch ein paar praktische Tipps für die Bildungskarenz mitgeben:

  • Rechtzeitig mit dem Arbeitgeber in Verbindung treten und vor allem schon vorher abklären, wie die Zeit nach der Rückkehr im Job aussehen kann
  • Vorlaufzeiten beachten (beim AMS ist der Antrag „leider“ erst frühestens ca. 1 Monat davor möglich), aber rechtzeitiges informieren schadet auch nicht
  • Finanzen im Auge behalten
  • Bedenkt, dass ihr mehr Zeit daheim arbeitend verbringen werdet und ihr euren Tagesplan mit dem eurer Familie synchronisieren müsst 🙂

 

Weiterführende Informationen:

 

Alexander Assinger-Plhak